Bilder und Bildung. "Volkssprachigkeit" in der Frömmigkeitskultur des Spätmittelalters
Öffentlicher Abendvortrag
Eine nur handtellergroße Handschrift aus dem zweiten Viertel des 14. Jahrhunderts (ehemals Sammlung Bouhier) ist einzigartig in ihrer Struktur. Die durchgehend bebilderte Handschrift entzieht sich einfachen Zuordnungen. Zwar überliefert sie deutschsprachige Evangelienparaphrasen, aber diese scheinen fest in einer lateinischen Textkultur verankert zu sein. Die Bilder lassen andererseits Elemente eines Brauchtums erkennen, das nicht im Kontext der lateinischen Gelehrtenkultur steht. Inwieweit kann die Handschrift somit als speziell „volkssprachig“ gelten? Der Vortrag wirft einen genauen Blick auf die Text- und Bilderwelt der Handschrift und eröffnet damit einen Zugang zur Frömmigkeitskultur der Zeit. Nicht zuletzt anlässlich des dreißigjährigen Bestehens des Katalogs der deutschsprachigen illustrierten Handschriften des Mittelalters soll außerdem die Kategorie der „Deutschsprachigkeit“ reflektiert werden.
Vortragende
Prof. Dr. Henrike Manuwald ist eine interdisziplinär arbeitende germanistische Mediävistin. Seit 2016 ist sie Professorin an der Georg-August-Universität Göttingen. Einen besonderen Schwerpunkt ihrer Forschung bildet die Untersuchung der Medialität der mittelalterlichen Textkultur. 2011 erhielt sie den Heinz Maier Leibnitz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich.
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