Lingua ignota und locutio secundaria. Diskursvarianz und Sprachvielfalt
Vortrag
Im 12. Jahrhundert entwarf Hildegard von Bingen ihre „lingua ignota“. Sie gilt als älteste konstruierte Sprache, deren Autor(in) man kennt, allerdings handelt es sich weniger um eine Sprache als vielmehr um ein artifizielles Vokabular, das nicht nur als solches sprachwissenschaftliches Interesse verdient, sondern zugleich Hinweise gibt auf die geltenden Konventionen im Fremdsprachenerwerb. Als solche Fremdsprache hatte für Hildegard auch das Lateinische zu gelten, das Dante – 150 Jahre nach Hildegards Tod – als „locutio secundaria“ qualifizierte. Die Artifiziali- tät der Sprache eröffnet Spielräume für Innova- tionen und Funktionalitäten, die an den mittelalterlichen Wissenschafts- und Theoriediskursen deutlich gemacht werden können.
Vortragende
Prof. Dr. Marc-Aeilko Aris, LMU München

