Abgeschlossene Projekte
Acta conciliorum oecumenicorum
Die Protokolle und Dokumente der ökumenischen Konzilien sind eine zentrale Grundlage für die Erforschung der Kirchen- und Dogmengeschichte des ersten Jahrtausends. Ihre Glaubensentscheidungen wurden von der westlichen wie auch der östlichen Kirche als verbindlich angesehen. Das Projekt machte die Akten dieser sieben Konzilien in wissenschaftlich zuverlässigen Editionen zugänglich.
Altokzitanisches Wörterbuch – Dictionnaire de l´occitan médieval
Das digitale Wörterbuch dokumentiert das Okzitanische – eine heute noch eigenständige romanische Sprache, die als Sprache der Troubadours zugleich eine große Vergangenheit hat. Rund 37.000 Stichwörter geben vielfältige Einblicke in mittelalterliche Lebenswelten. Für die romanistische Fachforschung und benachbarte Disziplinen dient das Wörterbuch als modernes Arbeitsinstrument für unterschiedliche Fragestellungen.
Archäologische Erforschung der römischen Alpen- und Donauländer
Das Projekt widmet sich den Übergängen von der vorrömischen Eisenzeit in die frühe römische Kaiserzeit und von der Spätantike ins frühe Mittelalter (Schwerpunkt Frühzeit/Schwerpunkt Spätzeit). Von 2012 bis 2025 sind Grabungsprojekte die Basis des Vorhabens (Frühzeit: Pfaffenhofen, Nordtirol und Spätzeit: San Martino/San Silvestro, Trentino). Darauf aufbauend werden Regionalstudien erstellt, die die Plätze in einen größeren Zusammenhang setzen.
Briefwechsel von Friedrich Heinrich Jacobi
Friedrich Heinrich Jacobi (1743–1819) zählt zu den bedeutendsten Vertretern der klassischen deutschen Philosophie. Seine Briefe und Werke zeigen ihn als Vertreter der Spätaufklärung, der auch deren Schattenseiten ins Bewusstsein rückte. In seiner Korrespondenz mit Zeitgenossen wie Kant, Schiller oder Schlegel bündelt sich das geistig-kulturelle Leben um 1800. Die Edition dokumentiert rund 2.600 überlieferte Briefe.
Corpus der griechischen Urkunden des Mittelalters und der neueren Zeit
Kaiserurkunden, eine der wichtigsten Quellengattungen, standen im Mittelpunkt des Editionsvorhabens, das fünf umfangreiche Regestenbände veröffentlichte. Zu dem Vorhaben gehört auch ein einzigartiges Lichtbildarchiv, das neben Urkunden auch eine Vielzahl von Diplomen weltlicher und geistlicher Würdenträger bis hin zu Privaturkunden enthält.
Deutschsprachige Lieddichtung des Mittelalters
Das Projekt arbeitete mit der Lieddichtung eine zentrale Gattung der mittelalterlichen deutschen Literatur erstmals systematisch unter überlieferungsgeschichtlichen Gesichtspunkten auf. Einzeluntersuchungen zeigen verschiedene Aspekte der mittelalterlichen Lieddichtung wie Liebeslyrik, politische oder religiöse Dichtung, unter überlieferungsgeschichtlichen Gesichtspunkten auf.
Ernst Troeltsch Gesamtausgabe
Der protestantische Theologe, Kulturphilosoph und liberale Politiker Ernst Troeltsch (1865-1923) zählte zu den einflussreichsten Gelehrten im späten Kaiserreich und in der frühen Weimarer Republik. Sein umfangreiches Werk, darunter sämtliche Schriften und Reden, aber auch Briefe, Gutachten und autobiographische Texte liegt kritisch editiert und kommentiert in 26 Bänden vor. Die Sekundärliteratur ist in einer Datenbank zugänglich.
Faktizität der Welt
Die Ad hoc-Arbeitsgruppe „Faktizität der Welt“ griff die Diskussion über „post-truth politics“ auf. Das oftmals bewusste Leugnen der Realität im politischen Diskurs fordert die Wissenschaft genauso heraus wie der nur fahrlässige Umgang mit Wahrheiten. Vor diesem Hintergrund machte die Arbeitsgruppe die Methoden einer kritischen, auf beständige Revision aller Wissensstände bedachten Forschung transparent und durchleuchtete deren Bedeutung für gesellschaftliche Gestaltungs- und Transformationsprozesse.
Frühneuzeitliche Ärztebriefe
Das Vorhaben erschloss die Briefe, die Ärzte im deutschsprachigen Raum zwischen 1500 und 1700 schrieben oder erhielten. Diese Texte sind zu vielen Tausenden in Bibliotheken und Archiven überliefert und von großem wissenschafts-, kultur- und alltagsgeschichtlichem Interesse. Das Projekt erfasste die Briefe erstmals systematisch und stellt eine ausführliche Inhaltsangabe bereit, die Datenbank ist online frei zugänglich.
Geomorphologie
Das Vorhaben diente der Zusammenarbeit der Forscher und deren Erfahrungsaustausch durch Fachtagungen, Exkursionen und Workshops. Das Projekt war interdisziplinär angelegt: Neben Geomorphologen waren unter anderem auch Vertreterinnen und Vertreter der Komaforschung, Paläontologie, der Bodenkunde und der Geologie beteiligt.
Islam in Bayern
Die Ad hoc-Arbeitsgruppe untersuchte die Lebenswelten von Muslimen in Bayern und legte dabei einen Fokus auf Religion. Zugleich war sie unter Berücksichtigung multipler Identitäten und migrationsbedingter Gegenstände bzw. Probleme wie Sprachkompetenz, Bildung, ethnische Besonderheiten und Konflikte, Kommunikationskulturen, allgemeine gesellschaftliche Debatte mit Rückwirkungen auf muslimische Gemeinschaften etc. breit angelegt. Die aus der AG hervorgegangene Studie war die erste dieser Art in einem deutschen Flächenland.
Johannes Zacharias Aktuarios
Der byzantinische Arzt und Gelehrte Johannes Zacharias Aktuarios (um 1275–1328) wurde bekannt durch seine Schrift über das „Seelenpneuma“, das nach antiker Vorstellung den Atem als Sitz der Lebenskraft ausmacht. Sein auf Griechisch verfasstes Werk ist in rund 30 Handschriften aus dem 14. bis 16. Jahrhundert überliefert. Die kritische Edition bietet den Originaltext, eine deutsche Übersetzung sowie eine medizinhistorische, geistes- und rezeptionsgeschichtliche Einordnung.
Johann Gottlieb Fichte-Gesamtausgabe
Johann Gottlieb Fichte (1762–1814) gilt als einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Idealismus. Sein Hauptwerk, die „Grundlage der gesamten Wissenschaftslehre“, gehört zu den wichtigsten Werken der philosophischen Weltliteratur und ist unverzichtbar für die Beschäftigung mit der Theorie der Wissenschaft als solcher. Seine „Reden an die deutsche Nation“ (1807/08) machten ihn auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Die Gesamtausgabe seiner Werke umfasst 42 Bände.
Judentum in Bayern
Aufbauend auf früheren Forschungen zu Juden in München, in Franken, in Schwaben und in der Oberpfalz vermittelte die Ad hoc-Arbeitsgruppe „Judentum in Bayern in Geschichte und Gegenwart“ ein breitangelegtes Bild jüdischen Lebens in Bayern bis in die Gegenwart, durch öffentliche Vorträge, Podcasts und Filme bzw. Video-Interviews sowie Podiumsdiskussionen sowie eine interaktive Karte.
Keilschrifttexte aus Isin (Išān Baḥrīyāt)
Bei archäologischen Ausgrabungen von Bartel Hrouda in Išān Baḥrīyāt (Isin) im südlichen Irak wurden verschiedene Keilschrifttexte aus dem 20. bis 18. Jahrhundert v. Chr. gefunden, die vom Heiligtum der Heilgöttin Gula und den Lebensumständen in der damaligen Hauptstadt Babyloniens zeugen. Das Projekt erschloss in einer Edition (Katalog, Handkopien und Transliterationen) zu jeder gefundenen Tontafel den exakten archäologischen Kontext.
Kulturen politischer Entscheidung in der modernen Demokratie
Demokratie ist ein fortwährender Prozess, der stets neu gedacht, verhandelt und praktiziert wird. Das Projekt untersuchte die Zeit von ca. 1950 bis heute und nahm unter anderem die Bundesrepublik Deutschland, Großbritannien und den ostmitteleuropäischen Raum (seit 1989) in den Blick. Im Mittelpunkt standen rechtliche, politisch-gesellschaftliche und kulturelle Grundlagen und Formen demokratischer Entscheidungsprozesse.
Werke von Johannes Kepler
Das umfangreiche Werk des Astronomen, Physikers, Mathematikers und Naturphilosophen Johannes Kepler (1571-1630) rückte erst im 20. Jahrhundert in seiner Vielschichtigkeit in den Fokus der Wissenschaftsgeschichte. Die historisch-kritische Edition der gesammelten Werke Keplers (Briefe und Schriften) umfasst 27 Bände.
Künstliche Intelligenz in der Medizin
Die rasanten Fortschritte im Bereich der Künstlichen Intelligenz eröffnen der Medizin neue Horizonte. Die Ad hoc-Arbeitsgruppe „KI in der Medizin“ vernetzte Akteure aus Wissenschaft, Politik, Gesundheitswesen und Wirtschaft, um dieses zukunftsweisende Thema in Bayern voranzutreiben und legte mehrere Handlungsempfehlungen vor.
Lexicon musicum Latinum
Das Vorhaben erfasste systematisch die lateinische musikalische Fachsprache des Mittelalters bis zum Ende des 15. Jahrhunderts. Die musiktheoretischen Schriften dieser Epoche sind eine zentrale Quelle für das Verständnis der mittelalterlichen Kultur und der Entwicklung der abendländischen Musik. Das Lexikon gilt als Pionierprojekt der digitalen Geisteswissenschaften und besteht aus 3.733 Wortartikeln, 26 Begleitpublikationen sowie einem Online-Wörterbuch
Max Weber-Gesamtausgabe
Max Weber (1864–1920) gilt weltweit als Klassiker der modernen Soziologie. Seine Methodologie, seine Begriffsbildungen und seine Studien zu Wirtschaft, Religion, Herrschaft, Recht und Kunst sind bis heute aktuell. Die „Max Weber-Gesamtausgabe“ (MWG) präsentiert sein Werk vollständig und nach historisch-kritischen Grundsätzen. Derzeit ist das Onlineangebot „MWG digital“ in Arbeit.
Munich Center for Internet Research
Die Digitalisierung verändert grundlegend, wie wir kommunizieren und uns informieren, wie die Arbeitswelt aussieht, wie politische Prozesse funktionieren und Meinungen entstehen, wie Werte geschaffen werden und Wissen vermittelt wird. Das „Munich Center for Internet Research“ (MCIR) erforschte diesen gesellschaftlichen Wandel durch Internet und Digitalisierung. Es ging 2018 im neu gegründeten „Bayerischen Forschungsinstitut für Digitale Transformation“ (bidt) der BAdW auf.
Neurowissenschaften – Sensomotorik bei Mensch und Maschine
Die sensomotorische Steuerung – also die Umsetzung von Sinnesinformationen in Bewegung – unterliegt bei biologischen und technischen Systemen eng verwandten Gesetzmäßigkeiten. Das Vorhaben förderte eine interdisziplinäre Kooperation zwischen Technik, Medizin und Industrie.
Orlando di Lasso-Gesamtausgabe
Die 47-bändige Edition enthält mehr als 1.350 Werke des Münchner Hofkomponisten Orlando di Lasso (1530/32–1594), von Motetten, Madrigalen und Chansons über deutsche Lieder, Messen, Magnificat und Hymnen bis zu großen Zyklen wie den „Bußpsalmen“. Unter seiner Leitung stieg die Hofkapelle zu europäischem Ruhm auf und begründete Münchens Ruf als eine der führenden Musikstädte.
Otloh von St. Emmeram: Autor und Kopist
Otloh von St. Emmeram (um 1010–1070) war ein Benediktinermönch, der für viele seiner Werke zugleich Autor und Kopist war. Bislang stützte sich die Forschung zu Otloh auf veraltete Ausgaben, die auf einfachen Transkriptionen beruhen und heutigen wissenschaftlichen Ansprüchen nicht genügen. Im Projekt entstand eine kritische Edition, die zwischen Urfassung, Korrekturen, Anmerkungen und späteren Zusätzen durch Otloh unterscheidet.
Kommentare zu den Sentenzen des Petrus Lombardus
Das Sentenzenbuch des Petrus Lombardus († 1160), eines bedeutenden scholastischen Theologen und Bischofs von Paris, gilt als theologisches Standardlehrbuch des Mittelalters. Die Kommentare zu diesem Werk sind nicht im Original erhalten und wurden niemals gedruckt, sondern lagen lediglich in handschriftlichen Kopien vor. Die Edition erschließt diese zentralen Texte der Scholastik erstmals in kritisch gesicherter Form.
Repertorium Academicum Germanicum
Das Projekt „Repertorium Academicum Germanicum“ (RAG) erfasste die biografischen, sozialen und kulturellen Daten aller graduierten Theologen, Juristen, Mediziner und Artisten-Magister des Alten Reiches (um 1250–1550) in einer Datenbank. So entstand eine breite empirische Grundlage für eine personenorientierte Geschichte des Wissens im europäischen Rahmen, die neue interdisziplinäre Forschungsperspektiven ermöglicht.
Reallexikon der Assyriologie und Vorderasiatischen Archäologie
Das „Reallexikon der Assyriologie und Vorderasiatischen Archäologie“ (RlA) ist eine internationale Enzyklopädie für die Archäologie, Geschichte und Kultur des Alten Orients. Sie bietet Einträge zu allen Aspekten des Alten Orients, darunter Könige und andere Personen, Orte und Ausgrabungsstätten, Götter und Religion, Realien (Tiere, Pflanzen, Gegenstände) sowie Wissenschafts- und Rechtsgeschichte.
Schelling – Edition und Archiv
Friedrich Wilhelm Joseph Schelling (1775–1854) gehört neben Kant, Fichte und Hegel zu den bedeutendsten und einflussreichsten Vertretern der klassischen deutschen Philosophie. Die „Historisch-Kritische Ausgabe der Schriften Schellings“ ist die erste textkritische Edition seines Werks. Eine Datenbank versammelt alle wichtigen Dokumente und Studien zur Erforschung seines Lebens und Denkens.
Schmellers Bayerisches Wörterbuch
Johann Andreas Schmeller legte mit seinem „Bayerischen Wörterbuch“ den Grundstein für die moderne Mundartforschung. Das im Auftrag der BAdW verfasste Nachschlagewerk war das erste wissenschaftliche Dialektwörterbuch überhaupt. Beim Einstieg in das umfangreiche Wörterbuch hilft das in Kooperation mit der Johann-Andreas-Schmeller-Gesellschaft veröffentlichte „Register zu Schmellers Bayerischem Wörterbuch“.
Semantiken des Verzichts: Die Wohlstandsgesellschaft und ihre Kosten
Der Begriff „Verzicht“ hat angesichts von Klimakrise, wirtschaftlicher Unsicherheit und Ressourcenknappheit in öffentlichen Debatten Konjunktur. Im akademischen Diskurs ist er jedoch bislang nicht ausreichend definiert. Das Vorhaben lotete unterschiedliche Bedeutungsebenen von Verzicht für einen interdisziplinären Dialog aus und brachte die Ergebnisse in die gesellschaftspolitische Diskussion ein.
Semitische Philologie
Das Gebiet der rund 70 semitischen Sprachen, darunter Hebräisch, Aramäisch und Arabisch, erstreckt sich von Afrika über den Nahen und Mittleren Osten bis nach Europa. Das Vorhaben betreute Projekte auf dem Gebiet des klassischen Arabisch, insbesondere das „Wörterbuch für klassische arabische Sprache“ (WKAS) und beteiligte sich am interakademischen Projekt „Katalogisierung der orientalischen Handschriften in Deutschland” (KOHD).
Verfasserlexikon – Die deutsche Literatur des Mittelalters
Das Verfasserlexikon dokumentiert als umfassendes Nachschlagewerk das deutsche Schrifttum des Mittelalters sowie in Auswahl die lateinisch schreibenden deutschen Autoren dieser Epoche. Es enthält mehr als 5.000 alphabetisch nach Autoren und anonymen Werktiteln geordnete Artikel von zahlreichen Expertinnen und Experten des In- und Auslands.
Werke und Briefe Adalbert Stifters
Der Schriftsteller, Maler und Pädagoge Adalbert Stifter (1805–1868) zählt zu den bedeutendsten Autoren des Biedermeier. Die „Historisch-kritische Ausgabe der Werke und Briefe“ umfasst in rund 50 Bänden sowohl sein dichterisches Werk als auch Dokumente seiner amtlichen Tätigkeit als Schulrat in Linz und Landeskonservator in Oberösterreich sowie seine umfangreiche Korrespondenz. Die Texte wurden kritisch ediert und kommentiert. Informationen zur Entstehung und Rezeption der Texte ergänzen die Ausgabe.
Wörterbuch der mittelhochdeutschen Urkundensprache
Das „Wörterbuch der mittelhochdeutschen Urkundensprache“ (WMU) erschloss den Wortschatz der im 13. Jahrhundert in Gebrauch gekommenen deutschen Urkundensprache. Es ergänzt für einen Ausschnitt der Gebrauchsprosa des 13. Jahrhunderts die Lexika und Grammatiken des Mittelhochdeutschen, die überwiegend auf der Grundlage poetischer Texte erstellt wurden, und ist ein wichtiges Arbeitsmittel für die Übersetzung von Urkunden und vergleichbaren Texten.
Zukunftswerte
Die Ad hoc-Arbeitsgruppe „Zukunftswerte“ widmete sich zentralen gesellschaftlichen Werten, die vielfältigen Herausforderungen ausgesetzt sind, z. B. durch Digitalisierung und soziale Medien, Nationalismus und Populismus, durch Migration sowie die Infragestellung oder den Bedeutungsverlust wertstiftender Institutionen. Drei Paare von Werten standen im Mittelpunkt und wurden als Spannungsfelder analysiert: Freiheit und Sicherheit, Gemeinschaftsinteresse und Eigeninteresse sowie Multikulturalität und Identität.
