Die Kunst Stellung zu beziehen. Ästhetische Pragmatiken des Politischen in der Literatur und Kultur der Frühen Neuzeit
Workshop des Jungen Kollegs
Politik bestimmt sich wesentlich über das Einnehmen von Standpunkten, seien sie institutioneller oder ideologischer Natur. Akte des politischen Denkens, Handelns und Sprechens sind daher wesentlich über ihre Positionen oder Situiertheiten geprägt. Ihre Subjekte sind diesen einerseits unterworfen, können diese aber auch selbst bestimmen, verändern oder manipulieren. Wird die frühe Neuzeit vielfach als diejenige Epoche beschrieben, in der sich ein "autonomer" Raum des Politischen ausbildet, der sich von religiösen und moralischen Ordnungen zu lösen beginnt, so sind die Positionen und Positionierungen politischen Sprechens gleichzeitig einem verstärkten Kontingenzverdacht ausgesetzt. Dieser Verlust eines verbindlichen normativen Koordinatensystems eröffnet indes ein enormes ästhetisches Potenzial. In der Kunst und Kultur der frühen Neuzeit werden die Instanzen, Orte und Zeitpunkte politischen Sprechens und Gestaltens zum Gegenstand kunstvoller (Selbst-)Inszenierungen. In unserem Workshop wollen wir anhand fiktionaler und ästhetischer Pragmatiken von Texten und Kunstwerken eine differenzierte Vorstellung davon gewinnen, was man landläufig als politischen Pragmatismus bezeichnet. In den künstlichen und künstlerischen Konstruktionen und Inszenierungen von Situationen, Positionen und Rahmungen von Kunstwerken und Texten sowie ihrer Produktions- und Sprecherinstanzen ergibt sich deren Politik und politischer Stellenwert immer auch aus Ästhetiken, Inszenierungen und Fiktionen des Stellungbeziehens im Bewusstsein von Kontingenz, Wandel und Mobilität, aber auch im Bestreben, Positionen, Ordnungen und Strukturen möglichst dauerhaft zu fixieren.
Vortragende
PD Dr. Judith Frömmer

