
Dr. Maximilian Lang
Der Mediävist Maximilian Lang forscht über die Urkunden Kaiser Friedrichs II. 2024 wurde er dafür mit dem Akademiepreis der Karl Thiemig-Stiftung für Nachwuchsförderung ausgezeichnet.
Was hat Sie an die BAdW geführt?
Ich habe bereits während meines Studiums der Geschichte mit einem Schwerpunkt auf der Mittelalterlichen Geschichte und den Historischen Grundwissenschaften gemerkt, dass mich die Transkription und Aufbereitung von Quellen für die Forschung sehr fasziniert. Als mich mein heutiger Kollege Christian Friedl im Rahmen eines Kurses zur Diplomatik, also Urkundenlehre, fragte, ob ich mir vorstellen könne, an der Edition der Urkunden Friedrichs II. als Hilfskraft mitzuarbeiten, sagte ich deshalb sofort zu. Nach meinem Studienabschluss bin ich nun seit 2019 als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Edition tätig und habe parallel zu meiner Projektarbeit bzw. im Rahmen des Projekts eine Dissertation über die Kanzlei Kaiser Friedrichs II. in den Jahren 1236 bis 1245 verfasst.
Was sind Ihre Aufgaben?
Meine bzw. unsere Aufgabe allgemein im Projekt ist eine kritische Edition aller bekannten Urkunden des Stauferkaisers Friedrichs II. Meine individuelle Aufgabe als wissenschaftlicher Mitarbeiter ist im Moment vornehmlich die Analyse bzw. Aufbereitung der kanzleigeschichtlichen Aspekte zu jeder einzelnen Urkunde des Kaisers. Das bedeutet, dass ich beispielsweise ausgehend von umfangreichen Schrift- und Diktatanalysen die einzelnen Urkunden verschiedenen (Kanzlei-)Notaren zuordne – eine zum Teil sehr mühsame, aber auch unheimlich spannende und faszinierende Aufgabe.
Was ist Ihnen bei Ihrer Arbeit besonders wichtig?
Ein zentrales Anliegen unseres Projekts sowie auch von mir persönlich ist es, durch eine kritische Edition der Urkundentexte eine wissenschaftlich fundierte Grundlage für die Auseinandersetzung mit dem berühmten Stauferkaiser Friedrich II. zu bieten. Gerade bei einer so vielschichtigen, umstrittenen, ja bisweilen mythisch verklärten Person wie Friedrich II. geben uns nämlich seine Urkunden etwas, das andere zeitgenössische Quellen, die entweder stark pro- oder stark antistaufisch geprägt sind, nur bedingt gewähren: einen Einblick in die politische und rechtliche Realität des 13. Jahrhunderts und vor allem in die kaiserliche Herrschaftspraxis. Jede intensivere Beschäftigung mit Urkunden erfordert aber auch gleichsam eine Kenntnis der Kanzlei und ihrer Mitarbeiter, der Notare, die diese Dokumente konzipierten, mundierten und schließlich expedierten. Daher ist gerade die Beschäftigung mit kanzleigeschichtlichen Aspekten ein besonderes Steckenpferd von mir.
Wie passt die BAdW in Ihr Leben?
Die Arbeit an der BAdW stellt für mich eine äußerst sinnstiftende Tätigkeit dar, die mir zudem noch große Freude bereitet.
Wie erklären Sie Freundinnen oder Bekannten, was die BAdW macht?
Ich betone insbesondere den Aspekt der Grundlagenforschung. Exemplarisch stelle ich dabei an unserem Projekt heraus, dass wir das Fundament für weitere wissenschaftliche Forschungen schaffen sowie die Auseinandersetzung mit Friedrich II. in der Öffentlichkeit allgemein fördern. Bei Gesprächen mit Freundinnen und Freunden kommt mir dabei die große Popularität des Kaisers zu Gute, denn eigentlich hat jeder gewisse Assoziationen: Sei es etwa das Castel del Monte, der Konflikt des Staufers mit dem Papsttum oder die populäre Vorstellung von Friedrich II. als „erstem modernen Menschen auf dem Thron.“ Die durchaus polarisierende Persönlichkeit und Herrschaft Friedrichs II. bietet also diverse Anknüpfungspunkte für Gesprächsthemen. Ich nutze demnach den Kaiser, um das Konzept der Grundlagenforschung der BAdW zu exemplifizieren.
Wie beschreiben Sie Ihr Arbeitsumfeld?
Ein Aspekt in meinem Arbeitsumfeld, der mir besonders viel bedeutet, ist die kollegiale Zusammenarbeit. In unserer Edition haben alle bestimmte Spezialgebiete, die sich gegenseitig ergänzen. Wir ziehen an einem Strang, um die bestmögliche Edition der Urkunden zu bieten.
Welche Skills brauchen Sie täglich, die Sie in Ihrer Ausbildung nicht gelernt haben?
Zentrale Fähigkeiten, die zwar schon grundlegend bei mir vorhanden waren, die ich aber im Rahmen der Projekttätigkeit stark weiterentwickelt habe, sind Geduld und Ausdauer. Da wir in der Regel alle drei bis vier Jahre einen Editionsband publizieren, musste ich lernen, einerseits Urkunde für Urkunde mit einer größtmöglichen Präzision zu bearbeiten, aber dabei auch nicht das große Ganze aus den Augen zu verlieren, seien es bestimmte Urkundenkomplexe, der jeweilige Editionsband oder die Kanzleigeschichte insgesamt. Eine weitere Kompetenz, die zwar bereits im Studium von Vorteil war, aber in der Edition geradezu unverzichtbar, ist die Fähigkeit, auf kleinste Details zu achten. Dies spielt insbesondere bei der Methodik des Schriftvergleichs eine zentrale Rolle, da die Urkunden oftmals auf den ersten Blick sehr ähnlich erscheinen und die Notare nur durch paläographische Mikroanalysen identifiziert werden können.
Was waren besondere Höhepunkte, seit Sie an der BAdW sind?
Meine Highlights als Mitarbeiter an der BAdW sind immer wieder die Momente, in denen ich Gelegenheit habe, unsere Editionsarbeit vorzustellen. Dazu zählen Events wie der Tag der offenen Tür, aber auch Veranstaltungen im universitären Kontext. So durfte ich beispielsweise unser Projekt bei der Ringvorlesung „Quelleneditionen im digitalen Zeitalter“ der LMU München präsentieren. Ein weiteres Highlight war eine praktische (Lese-)Übung an Originalen Friedrichs II. mit Doktoranden der Universität Innsbruck im Bayerischen Hauptstaatsarchiv. Insbesondere die Arbeit im Archiv an den vor 800 Jahren auf Pergament geschriebenen Originalen, die zum Teil noch nahezu tadellos erhalten sind, fasziniert mich immer wieder, und es macht mich sehr glücklich, diese Faszination auch bei anderen Personen zu sehen bzw. zu wecken.
Ein guter Arbeitstag ist für mich …
… wenn es mir gelingt, eine Urkunde in ihren vielfältigen Facetten vollständig zu erfassen und idealiter die Schreiberhand der Urkunde zu identifizieren.
